Ein Abschied, der nachklingt

Ein Abschied zeigt oft erst den Wert von scheinbar Alltäglichem. In den vergangenen Tagen habe ich viel nachgedacht. Über das Gehen. Über das Bleiben. Über das, was geht, wenn ein Mensch geht. Und über die Spuren, die noch lange da sind. Über die Lücke, die da plötzlich entsteht, und die sich nicht füllen lässt. Die einfach da ist und wehtut. In die nur Erinnerungen passen, die ich kommen und wieder ziehen lassen kann, damit die schmerzhaften Kanten langsam weicher werden. Dieser Text ist ein Versuch, ein wenig davon festzuhalten. Vielleicht schreibe ich diese Zeilen vor allem für mich selbst. Um zu ordnen, zu verstehen, zu verarbeiten, was mich die letzten Tage so aufgewühlt hat. Was ich sehen durfte und was in mir nachklingt:

Nun bist Du fortgegangen. Lässt dieses Leben für immer hinter Dir. Ein langes Leben gefüllt mit Schönem und Schwerem. In den letzten Jahren, so könnte man meinen, überwog das Schwere. Doch du hast Dir das Schöne nicht nehmen lassen. Hast es an so vielen Stellen, in so vielen Momenten gesehen und mit beiden Händen festgehalten und Dich daran gefreut. Hast Deine Freude geteilt oder auch für Dich behalten. So wie es eben passte.

Ja, in so manches Bild wolltest Du Dich hineinpassen. Bilder aus Erwartungen. Deine Liebe hat es Dir leicht gemacht, Dich auch darin zu finden. Doch lag in Dir wohl noch so viel mehr, als viele vielleicht wahrnehmen konnten. Auch ich kannte Dich nur einen Bruchteil Deiner Zeit. Durfte einen Blick erhaschen auf die vielen Facetten, die Dich auszeichneten. Hörte Deine Geschichten, erlebte Deine Nähe und Begeisterung, sah Dich mit meinen Kindern spielen.

Deine Hingabe war und ist mir Vorbild. Doch sehe ich heute auch die Schatten, die es mitunter für Dich brachte – dann, wenn Du vielleicht mehr gegeben hast, als gut für Dich war, weil Dir die Menschen um Dich herum so sehr am Herzen lagen. Deine Liebe zu anderen war immer Deine stärkste Kraft, Dein kräftigster Antrieb. Kämpferin. Doch ahne ich, dass es auch Zeiten gab, in denen diese Deine Art als selbstverständlich hingenommen wurde. Sicher nicht leicht. Für niemanden. Doch Du hast es in Liebe getragen. Hast still weiter geleuchtet – für alle, die es sehen konnten.

Und dann war da Dein Glaube. Kein lauter, plakativer. Eher ein sanfter und fragender. Ein tiefer und tragender. In allem. Über die große Schwelle hinweg und für alle Zeiten. Davon bin ich überzeugt. Wir sehen uns dort. Irgendwann. Darauf freue ich mich. Und bis dahin wohnt ein Teil von Dir in meinem Herzen.

Dies sind meine persönlichen Gedanken zu meiner eigenen Verarbeitung. Meine Perspektive. Aus meiner Sicht und meinem Empfinden. Ohne Anspruch darauf, die ganze Wahrheit abzubilden. Einfach ein Abschied der nachklingt. Vermutlich noch eine ganze Weile.

Jahrzehnte voller Leben und Erinnerung, Juli 2023, Acryl auf Leinwand, 30x24cm

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