Abgetaucht

In vielerlei Hinsicht.

Da war zum Einen lange nichts mehr von mir zu lesen. Nicht nur hier, sondern auf diversen Kanälen wurde es still und Freunde warteten (und warten mitunter noch immer) auf eine Antwort von mir. Das passiert, wenn zu viel passiert. Und das war es.

Nach der großen Küchenrenovierung letzten Spätsommer waren noch ein paar Handgriffe übrig – so Dinge wie Decke streichen und Wände tapezieren – und das am liebsten, bevor wir den nächsten Besuch empfangen wollten. Noch immer fehlen ein paar Kleinigkeiten in der Küche, aber die sind so klein, dass sie niemandem auffallen.

Und dann war da im März der Ausflug zur Buchmesse Leipzig, den ich der 15jährigen versprochen hatte. Nur sie und ich unterwegs, und in Leipzig dann auch viel Zeit mit ihren großen Schwestern, dazu Treffen mit (Ur-)Großeltern, Tanten und Cousins. Aber das Wichtigste: die Buchmesse mit der Manga Comic Con und dem riesigen Treffen von Cosplayern. Seit die Tochter vor zwei Jahren zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse war, hatte sie Feuer gefangen – für die Messe und für die Idee, selbst beim nächsten Mal zu cosplayen. Ihr Projekt also für den diesjährigen Besuch: James Buchanan “Bucky” Barnes. Da haben wir uns Anleitungsvideos angeschaut und dann fleißig gebastelt und genäht. Ein spannender Prozess, nur zeitlich etwas knapp geplant. Am Ende passte dennoch alles. Auf diese Weise ein wenig in die “Cosplayszene” einzutauchen, war einfach beeindruckend.

„Bucky“ auf der LBM

Zurück aus Leipzig hieß es dann, alles für Konfirmation und Gäste vorzubereiten. Grundsätzlich war das eigentlich keine große Sache. Trotzdem wollte das Haus sauber, die Übernachtungen und die Zeit für den Aufenthalt der Gäste geplant, und der Tag der Konfirmation vorbereitet sein.

Die Konfirmation selber war auch ein Ereignis für sich: Die Tochter hatte sich entschieden, statt am regulären Programm vor Ort an einer Rollenspiel-Konfirmation unter dem Überthema “Camelot” teilzunehmen. Dafür fuhr sie zu drei Konfa-Camps ca. zwei Stunden entfernt von zuhause. Während des dritten Camps über Ostern fand die Konfirmation statt – in entsprechenden Kleidern und im richtigen Ambiente.

Rollenspielkonfirmation

Die großen Schwestern und die Gäste waren noch eine weitere Woche bei uns, und dann durfte erstmal ein wenig Ruhe einkehren, wobei Ruhe in einem Haus mit Kindern natürlich immer relativ ist. Das ganz normale Gewusel eben: Die beiden Jüngsten schrieben einige große Prüfungen in der Schule. Die Autos muckten herum und brauchten etwas mehr Aufmerksamkeit. Und der Frühling hielt endlich richtig Einzug, was bedeutete, dass auch der Garten rief. Zuletzt hatten wir hier das alljährliche Dorffest, wo ich auch einen Verkaufsstand hatte.

Zum Anderen bin ich nun wieder in etwas abgetaucht, wozu ich aus verschiedenen Gründen ein paar Jahre lang keinen richtigen Zugang hatte – meine Wortspielereien und Wort-Bilder, meine Schreibprojekte. Ein Manuskript liegt fertig in meiner digitalen Schreibtischschublade und wartet. Nach den Testlesern wäre die Anfrage bei Verlagen dran gewesen. Doch irgendwo dazwischen kam die innere Blockade. In der Zeit bekamen meine Farbspielereien, also meine Geschichten aus Acryl auf Leinwand richtig Fahrt, wozu mir leider jetzt seit meinem Burnout der Zugang fehlt. Das ist schade, aber ich bin sicher, irgendwann wird auch hier wieder mehr passieren, der Geist will sich schließlich kreativ ausdrücken (so oder so).

Norrsken

Dafür erinnerte sich mein Kopf an ein Schreibprojekt, das ich schon vor langer Zeit angedacht hatte. Die Figuren aus dem ersten Manuskript hatten damals, kurz nach dessen Fertigstellung, nach einer Vorgeschichte verlangt. Die Grundidee, worum es gehen sollte, steht schon sehr lange, nur war mir nicht so richtig klar, aus welcher Richtung ich das aufziehen wollte. Das nahm zwar im Hinterkopf in den letzten Monaten immer mehr Form an, doch da fand sich eben noch nicht die Gelegenheit, sich näher damit zu beschäftigen. Und plötzlich war die Zeit da. Und noch mehr Ideen.

Zwar hatte ich schon die Hauptfiguren und eine grobe Vorstellung davon, was passieren soll, doch damit die Figuren richtig glaubwürdig sind, brauchen sie eine handfeste Hintergrundgeschichte, die noch dazu – wegen des fertigen Manuskripts – auf eine bestimmte Weise mit Island zu tun haben musste. Und die wollte ich herausfinden.

Will man aber ein realistisches Umfeld schaffen – selbst dann, wenn man magischen Realismus schreibt – und geht für eine Vorgeschichte zeitlich weit genug zurück, landet man im deutschsprachigen Raum unweigerlich beim dunkelsten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte. Das ist eine Zeit, über die wir im Unterricht in der Schule viel zu viel gehört hatten, die ich deswegen in Büchern immer zu vermeiden suchte.

Nun tauchte ich darin ab, für mein Schreibprojekt, für meine Figuren. Erlebte für sie das Grauen, die Bestürzung, das Leid. Entdeckte in Erfahrungsberichten aber auch das Licht der Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit in und trotz all dem Schlimmen. Und zu meiner größten Verwunderung fand ich sogar eine einzigartige Verbindung nach Island. So wachsen gerade meine Hauptfiguren und der Kopf spinnt ganz langsam und vorsichtig im Hintergrund die Geschichte dazu. Das Schreibprojekt selbst wird nicht so weit in der Vergangenheit liegen, eher um die Zeit der Jahrtausendwende, doch für die eine oder andere gefundene Erinnerung musste ich in meiner Research noch etwas weiter zurückgehen – und für die Verbindung nach Island.

So wird also auch diese Geschichte wieder teilweise in Island spielen, obwohl ich selbst ja noch nie dagewesen bin, was ebenfalls ein bisschen extra-Nachforschen erfordert. Dabei helfen mir unter anderem die Bücher von Anne Siegel, natürlich das Internet und eine junge Frau, die seit letztem Jahr in Nordisland wohnt. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie sich Island damals ins erste Manuskript geschlichen hatte, aber jetzt bin ich sehr froh darüber.

Insgesamt wird es auch dieses Mal wieder um viel Zwischenmenschliches gehen. Erlebtes und Gehörtes will nun mal bearbeitet werden und sucht sich seinen Weg in Geschichten, die so gewesen sein könnten (oder auch nicht), findet Figuren, die das so oder ähnlich erlebt haben könnten, und verwandelt Wunden und Fragen in Hoffnung. Ich bin gespannt darauf, wie es genau erzählt werden will.

Bis zum nächsten Mal,
wir lesen uns.

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